Marcel König: Zwei Jahrzehnte IT-Automatisierung
Von JBoss-Migrationen bei Siegele Software bis zur Gründung von lennlay: Marcel Königs Karriere und die Philosophie dahinter.
Marcel König gründete lennlay 2020 in Werder an der Havel. Zu diesem Zeitpunkt war er 20 Jahre in der IT tätig - als Angestellter, als Freiberufler, als Spezialist für Plattformen, die in großen, regulierten Organisationen das Rückgrat der Anwendungsinfrastruktur bilden. Die Gründung war kein spontaner Schritt. Sie war die logische Fortsetzung eines Berufswegs, der von Anfang an in eine Richtung gezeigt hatte: tief in die Technik, nah an die Plattform, weit weg von oberflächlicher Beratung.
Der Anfang: JBoss, als es noch neu war
Marcel Königs Einstieg in die professionelle IT-Arbeit fiel in eine Zeit, in der Java Application Server noch kein Commodity waren. JBoss war eine Open-Source-Plattform, die in Unternehmen eingesetzt wurde, weil sie günstiger war als IBM WebSphere oder BEA WebLogic - und weil die Community dahinter wuchs. Das technische Tiefenwissen war dünn gestreut.
Bei Siegele Software arbeitete König an JBoss-Migrationen und Plattform-Implementierungen. Das war handwerkliche Arbeit: Applikationsserver konfigurieren, Deployments strukturieren, Classloading-Probleme diagnostizieren, Betriebsumgebungen stabil halten. Die Art von Arbeit, die nicht in Präsentationen sichtbar wird, aber darüber entscheidet, ob eine Produktionsumgebung läuft oder nicht.
Diese frühe Phase legte die technische Grundlage, auf der alles Folgende aufbaute. König entwickelte ein Verständnis für JBoss-basierte Infrastruktur, das nicht aus Dokumentation stammte, sondern aus der Praxis - mit all ihren Fehlern, Randfällen und Lösungen, die nicht im Handbuch stehen.
Die freiberufliche Phase: Expertise ohne Abteilungsdenken
Irgendwann reichte der Rahmen eines einzelnen Arbeitgebers nicht mehr. Als Freiberufler konnte König das tun, was in Konzernstrukturen selten möglich ist: sehen, wie verschiedene Organisationen dieselben technischen Probleme angehen und welche Ansätze tatsächlich funktionieren.
Die Freiberuflichkeit war keine Übergangsphase. Sie war eine produktive Zeit, in der König sein Netzwerk aufbaute, seinen Ruf als verlässlicher JBoss- und Ansible-Spezialist festigte und an Projekten in Branchen arbeitete, die technische Sorgfalt nicht als Option, sondern als Grundvoraussetzung behandeln.
Regulierte Umgebungen - Finanzdienstleistung, Versicherung, kritische Infrastruktur - haben eine eigene Qualität. Die Toleranz für Fehler ist gering. Die Anforderungen an Dokumentation und Nachvollziehbarkeit sind hoch. Der Druck, schnell zu liefern ohne die Kontrolle zu verlieren, ist konstant. König lernte in dieser Zeit, was es bedeutet, Technik in diesen Kontexten zu betreiben - nicht als abstrakter Standard, sondern als gelebte Praxis.
Stationen, die den Blick schärfen
Über die Jahre arbeitete König als Spezialist in Projekten bei Organisationen, die in ihrer Branche zu den anspruchsvollsten Arbeitgebern für IT-Infrastruktur gehören.
VW Financial Services - einer der größten Automobilfinanzdienstleister weltweit, mit einer Plattformlandschaft, die Konzernkomplexität mit Finanzdienstleistungs-Compliance verbindet. König kannte diese Umgebung von innen: die internen Governance-Strukturen, die langen Abstimmungszyklen, die Plattformentscheidungen, die für Tausende von Mitarbeitenden Konsequenzen haben. Diese Erfahrung sollte später relevant werden, als VWFS lennlay als Partner auswählte.
KfW Bankengruppe - eine staatlich getragene Förderbank mit dem entsprechenden regulatorischen Anforderungsprofil. IT-Infrastruktur, die ausfällt oder Compliance-Mängel aufweist, hat dort nicht nur technische, sondern politische Konsequenzen.
Baloise Group - ein schweizerischer Versicherungskonzern mit Betrieb in mehreren europäischen Märkten. Versicherungen gehören zu den regulatorisch intensivsten Betreibern von IT - die Kombination aus Datenschutz, Meldepflichten und Eigenkapitalanforderungen erzeugt einen Compliance-Druck, der sich direkt auf die Plattformarchitektur auswirkt.
Deutsche Post - Logistik in diesem Maßstab bedeutet IT-Infrastruktur in einem Volumen und einer Komplexität, die die meisten Organisationen nicht kennen. Hochverfügbarkeit ist dort kein Versprechen im SLA, sondern eine operative Notwendigkeit.
Was diese Stationen gemeinsam haben: Sie sind Umgebungen, in denen Technik für sich selbst sprechen muss. Präsentation und Konzept zählen weniger als das, was in Produktion tatsächlich funktioniert. König hat in allen diesen Kontexten auf der Plattformebene gearbeitet - nicht als Berater, der Empfehlungen gibt und weitergeht, sondern als Spezialist, der Verantwortung für laufende Systeme übernimmt.
Die Gründungsidee: Automatisierung als Produkt
2020 war der Zeitpunkt, zu dem König aus der freiberuflichen Arbeit eine Organisation baute. Die Frage, die lennlay antrieb, war eine praktische: Warum wiederholt sich dasselbe Problem in jeder Organisation neu?
Compliance-Prüfungen werden manuell vorbereitet. Hardening wird einmal durchgeführt und dann nicht mehr systematisch überprüft. Konfigurationsabweichungen entstehen im Betrieb und werden erst beim nächsten Audit bemerkt. Das Know-how, das nötig wäre, um diese Probleme strukturell zu lösen, liegt in einzelnen Personen und verlässt das Unternehmen, wenn diese Personen wechseln.
Die Antwort war SPAS - der Secure Platform Automation Service. Kein Beratungsprodukt, das einen Report erzeugt. Ein Automatisierungsprodukt, das Compliance kontinuierlich sicherstellt: Hardening als Code, CIS-Benchmarks als ausführbare Playbooks, Audit-Nachweise als maschinenlesbare Outputs.
Das ist die Übersetzung von zwei Jahrzehnten Praxiserfahrung in ein Produkt. Was König in JBoss-Umgebungen, Ansible-Projekten und regulierten Infrastrukturen immer wieder gesehen hat - die manuellen Prozesse, die Wissenslücken, die Compliance-Lücken kurz vor dem Audit - ist der genaue Bereich, den SPAS adressiert.
Philosophie: Automatisieren, was wiederholbar ist
König arbeitet nach einer Grundüberzeugung, die sich durch seinen gesamten Berufsweg zieht: Wenn etwas mehr als einmal getan wird, sollte es automatisiert sein.
Das klingt simpel. In der Praxis bedeutet es eine konsequente Unterscheidung zwischen der Arbeit, die echtes Urteilsvermögen erfordert - Architekturentscheidungen, Ausnahmemanagement, Umgang mit unbekannten Randfällen - und der Arbeit, die wiederholbar, vorhersehbar und damit automatisierbar ist.
Compliance-Prüfungen sind das Paradebeispiel. Ein erfahrener Spezialist muss verstehen, welche CIS-Controls für eine bestimmte Plattform relevant sind, wie sie auf die reale Konfiguration abgebildet werden und wie mit legitimen Ausnahmen umgegangen wird. Diese intellektuelle Arbeit gehört nicht automatisiert. Die eigentliche Prüfung - das Abgleichen von Konfigurationswerten gegen den Standard - ist hingegen exakt die Art von mechanischer Repetition, die ein Mensch schlechter macht als ein Skript.
Lennlay trennt diese Ebenen. König und sein Team treffen die technischen Entscheidungen. SPAS führt aus, prüft, dokumentiert.
Das Team als Verlängerung der Arbeitsweise
Mit Benjamin Strebel (seit Juni 2023) und Matthias Siegl (seit Dezember 2023) hat König ein kleines Team aufgebaut, das nach demselben Prinzip arbeitet: Tiefe statt Breite, Produktion statt Präsentation, Zertifizierung als Bestätigung echter Kompetenz.
Das ist eine bewusste Entscheidung gegen Wachstum um seiner selbst willen. lennlay ist kein Systemhaus mit hundert Consultants und einem Portfolio, das jeden Kunden bedient. lennlay ist ein spezialisiertes Team für einen definierten Bereich: Red Hat Ansible Automation, JBoss-basierte Plattformen, Compliance-Automatisierung in regulierten Umgebungen.
Die Größe erlaubt eine Art von Verantwortungsübernahme, die in größeren Organisationen strukturell schwierig ist. Wenn lennlay ein Projekt übernimmt, ist König persönlich in die technischen Entscheidungen eingebunden. Es gibt keine Hierarchie, die Wissen filtert oder Verantwortung diffus macht.
Zwei Jahrzehnte später
König ist heute kein anderer Spezialist als vor zwanzig Jahren - er ist ein tieferer. Die Stationen, die Branchen, die Probleme haben sich wiederholt und variiert. Was geblieben ist: die Überzeugung, dass Plattformen, die funktionieren sollen, von Leuten betrieben werden müssen, die sie wirklich verstehen.
lennlay ist der institutionelle Ausdruck dieser Überzeugung. Nicht eine Idee, die König hatte, sondern die Destillation von allem, was er in zwei Jahrzehnten gelernt hat - über JBoss, über Ansible, über regulierte Umgebungen, über die Kluft zwischen dem, was Compliance auf dem Papier fordert, und dem, was Compliance im Betrieb tatsächlich bedeutet.
Für Organisationen, die dieses Niveau an Spezialisierung suchen, ist der direkte Einstieg über SPAS sinnvoll: Zum SPAS-Überblick